Schimmel von der Wand entfernen - aber bitte dauerhaft
Wer Schimmel an der Wand entdeckt, möchte ihn verständlicherweise schnell beseitigen. Die optische Beeinträchtigung, der mögliche Geruch und die Sorge um die Gesundheit führen oft dazu, dass sofort gehandelt wird. Häufig kommen dann Hausmittel, alkoholhaltige Reiniger oder handelsübliche Sprays zum Einsatz. Diese können den sichtbaren Befall zunächst reduzieren, doch nach einiger Zeit tritt er häufig wieder auf. Der Grund ist simpel: Die Ursache für den Schimmel, in der Regel eine anhaltende Feuchtebelastung, wurde nicht erkannt oder behoben. Ohne diese Ursachenbeseitigung ist jede Maßnahme nur ein kurzfristiger Effekt.
Sichtbarer Schimmel ist nur das, was wir sehen
Die dunklen Flecken an der Wand sind nur die sichtbare Spitze des Problems. Der weitaus größere Teil, das Pilzgeflecht, vergleichbar mit dem Wurzelwerk eines Waldpilzes, liegt verborgen im Material und wird als Myzel bezeichnet. Dies ist mit dem menschlichen Auge nicht sichtbar und so verborgen im Material und kann sich dort weit verzweigen. Dieses Pilzgeflecht wächst in feuchte, poröse Baustoffe wie Gipskarton, Putz oder Holz ein und nutzt sie als Nahrungsquelle.
Entscheidend ist: Schimmel wächst nur dort, wo über längere Zeit Feuchtigkeit vorhanden ist. Diese kann durch bauliche Mängel wie undichte Dächer oder Fassaden eindringen, aber auch aus der Raumluft stammen, wenn warme, feuchte Luft an kalten Wandoberflächen kondensiert. Besonders gefährdet sind Bereiche mit Wärmebrücken, unzureichender Luftzirkulation, etwa hinter großflächigen Möbelstücken und Räumen, in denen dauerhaft falsch gelüftet oder geheizt wird.
Warum chemische Mittel selten die alleinige Lösung sind
Schimmelpilzentferner können Myzelzellen an der Oberfläche tatsächlich abtöten, allerdings nur dort, wo der Wirkstoff direkten Kontakt hat. In porösen, saugfähigen oder durchfeuchteten Baustoffen dringt die Lösung meist nicht tief genug ein, um den gesamten Befallsbereich zu erreichen. Sporen sind oft deutlich widerstandsfähiger und werden durch diese Mittel nicht zuverlässig inaktiviert.
Selbst wenn Zellen abgetötet werden, bleiben deren Bruchstücke im Material zurück. Die gesundheitlich relevanten Bestandteile, die sich an der Zelloberfläche befinden, können weiterhin wirken – unabhängig davon, ob die Zelle noch intakt oder lebendig ist.
Ein weiterer Punkt, der oft übersehen wird: Oxidierende Wirkstoffe wie Chlor oder Wasserstoffperoxid können die Pigmente des Pilzes ausbleichen. Dadurch verschwindet die sichtbare Verfärbung, der Befall ist jedoch weiterhin vorhanden und kann jederzeit erneut aktiv werden.
Der weit verbreitete Irrtum, dass ein verschwundener Fleck gleichbedeutend mit einer erfolgreichen Sanierung sei, ist daher trügerisch. Unsichtbare Sporen oder Myzelreste können im Untergrund verbleiben und bei passenden Bedingungen erneut auskeimen. Chemische Mittel sollten deshalb nur gezielt und im Rahmen eines vollständigen Sanierungskonzepts eingesetzt werden, niemals als alleinige Maßnahme.
Die Ursache finden und beseitigen
Eine erfolgreiche Schimmelbeseitigung beginnt immer mit der Frage, warum der Befall überhaupt entstehen konnte. Schimmel ist das sichtbare Ergebnis einer anhaltenden Feuchtigkeit und diese kann ganz unterschiedliche Ursprünge haben.
Häufig handelt es sich um bauphysikalische Ursachen wie Wärmebrücken, undichte Anschlüsse, Risse in der Fassade oder eine fehlende bzw. beschädigte Abdichtung.